Andreas Saal mit seinem ehemaligen Ausbilder Hans Neutzling

Ausschnitt aus der Zeitung des BfW Vallendar aus dem Jahre 2004
Rubrik: Unternehmen der Region



Vom BFW-Absolventen zum erfolgreichen Unternehmer

Der 37-jährige Andreas Saal führt mit Erfindungsreichtum, Engagement und Menschenliebe ein Zukunftsträchtiges Kleinunternehmen. Sein Handwerk erlernte er im CJD BFW Vallendar.



Unser Weg führt über die grünen Hügel des Westerwaldes nach Eschelbach, einem Ortsteil der Kreisstadt Montabaur. Ein Schild verweist nach rechts zu der Firma Feinwerktechnik Saal: Einfamilienhaus, zwei Doppelgaragen, eine Halle. Andreas Saal begrüßt uns und führt durch die Halle. Das CNC-Bearbeitungssystem in der Mitte kostet ca. 100.000 Euro. Den Maschinenbaumechaniker hat er selbst ausgebildet, den Zerspanungsmechaniker von einem industriellen Großarbeitgeber in der Nähe übernommen. Der Auszubildende ist im dritten Lehrjahr. Natürlich gibt es marktüblichen Lohn und entsprechenden Urlaub, auch wenn der Kleinbetrieb keinem Tarifvertrag unterliegt. Er sei selbst lange Arbeitnehmer gewesen, sagt Andreas Saal. Selbstverständlich hafte er für seine Einzelfirma mit seinem Privatvermögen, aber da habe er keine Angst, schließlich könne er das steuern, nicht wahr? Einen Teil seines Gewinnes investiere er regelmäßig, damit werde das Unternehmen weiter ausgebaut. „Die Zusammenarbeit mit den Menschen, hohe Qualität, kurze Lieferzeiten, individuelle Kundenbetreuung, das ist meine Unternehmenskultur“, sagt der Firmenchef.

Die Firma Feinwerktechnik Saal ist Zulieferer hochwertiger Geräte- und Feinwerktechnik. „Die Kunden kennen ihr Ziel, aber nicht den Weg dorthin. Mittelständische Unternehmen haben oft kein eigenes Entwicklungsbüro und keine technischen Zeichner. Im direkten Gespräch erfrage ich ihre Bedürfnisse.“ So entstand ein Gerät zur Messung der Dichte von Tonproben, das nach Finnland und Portugal exportiert wurde. In der Medizin- und Labortechnik muss bereits die Optik hohe Qualität und Hygiene signalisieren. Für einen renommierten Hersteller in der Druckindustrie untersucht Andreas Saal außerdem das Sättigungsverhalten von Druckfarben bei Wasserauflösung. Sogar Automobil- und Computerindustrie geben Prototypen für heikle Problemlösung in Auftrag.

Rückblick: Andreas Saal hat sein drittes Ausbildungsjahr zum Forstwirt begonnen, als er auf dem Weg zur Arbeit einen Motorradunfall erleidet. Nach 8 Monaten Rekonvaleszenz kann er zwar seine Ausbildung abschließen, aber nicht dauerhaft in seinem Traumberuf arbeiten. So beginnt er 1988 im CJD BFW Vallendar eine Umschulungsmaßnahme zum Industriemechaniker für Geräte- und Feinwerktechnik. Besonders moderne NC- und CNC-Maschinen haben es ihm angetan. Nach seinem Abschluss im Jahr 1990 arbeitet Andreas Saal in der Medizintechnik und macht seinen Meister. Dann braucht ein Freund Mechanikteile und findet keine Lieferanten. Andreas Saal stellt im Partykeller eine Tischfräsmaschine auf und beginnt mit dem Laborgerätebau. Seit 1998 ist er selbstständig und wird dabei von Familie und Nachbarschaft ermutigt und unterstützt. Heute sieht Andreas Saal die Zeit im Berufsföderungswerk Vallendar als Sprungbrett. Er hat Eigeninitiative ergriffen und seine Ziele durchgesetzt. Rat und Hilfe erhielt er dabei von seinen Ausbildern. Einer von ihnen, Hans Neutzling, ist mittlerweile im Ruhestand und schaut gerne ab und zu vorbei. Von ihm lernte Andreas Saal, wie er heute seinem Auszubildenden den Weg vom Konkreten zum Abstrakten und vom Einfachen zum Komplexen in kleinen Schritten erklären kann. Im vergangenen Jahr stellte er zusätzlich einen Praktikumsplatz für einen Teilnehmer aus dem Metallbereich des CJD BFW Vallendar zur Verfügung.

Andreas Saal – ein Mann von dem wir alle lernen können.